
In Bolivien arbeitet COMPA seit langem mit Schulen zusammen. Die Implementierung von körperlicher Kunst als integraler Bestandteil von Schulbildung ist für uns ein wichtiger Baustein für eine Erziehungsphilosophie, die Kinder, Jugendliche aber auch Lehrer_innen dazu befähigt, sich selbstbewusst und mit Würde zu begegnen. Kunst und Theater gehören daher nicht in bestimmte Schulfächer eingesperrt, sondern sollten alltäglicher Bestandteil unserer Ausbildung sein.
Das obsessive Festhalten an didaktischen Konzepten und curricularer Theorie negiert den körperlichen Aspekt von Bildung. Die Defizite an deutschen Schulen sind immens. Die Bürokratie herrscht über das Lehrer_innenkollegium und die Kinder. Engagement und Kreativität müssen immer noch curricularen und didaktischen Zwängen weichen. Der Lehrer, die Lehrerin ist zunächst eine leibliche Intellektuelle. Als solche muss sie oder er sich vor den Kindern bewähren.
Die Lehrer_innenausbildung, die in Deutschland an Hochschulen stattfindet, klammert sich an Theorie und technischer Machbarkeit fest. Dementsprechend unvorbereitet sind Lehrer_innen wenn sie zum ersten Mal vor einer Klasse bestehen müssen. Wir haben in Bolivien die Erfahrung gemacht, dass körperliche Arbeit, Kreativität und Kunst als Querschnittsaufgabe der Bildung dazu führt, dass Kinder und Jugendliche besser lernen und sich selbstbewusster entwickeln. Das ist für die demokratische Weiterentwicklung der Gesellschaft von wesentlicher Bedeutung.
Die Lehrer_innen nehmen dabei eine Schlüsselposition ein. Sie sind die direkten Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen an der Schule. An der Universität Kassel fand im Sommersemester 2011 ein erstes Seminar mit Lehrer_innen statt, bei denen in Kooperation mit dem Lehrbeauftragten Thomas Guthmann, mit Unterstützung von Prof. Dr. Bernd Overwien vom FB 5, das Konzept „los cuerpos libres en las aulas“ des COMPA zur Anwendung kam. Die Lehramtsanwärter_innen setzten sich im Rahmen des Seminars „Mit kultureller Vielfalt und Differenz an der Schule umgehen“ mit sich als leibliche Intellektuelle in einem interkulturellen Kontext auseinander.
Neben Methoden der Vertrauensbildung unter dem Motto „Nicht Denken – nur Fühlen“ führten die Teilnehmer_innen unter Anleitung von Coral Salazar Torrez Performances zum Thema Kultur, Fremdheit und Befangenheit auf und machten Zeitungstheater zur Berichterstattung über Schule und Migration.
Untitled from COMPA Berlin on Vimeo.
Videoclip der Präsentation des Zeitungstheaters zum Thema „gescheiterte Integration?“: Zeitungsartikel als Politikerrede.
Unsere Idee der Freien Körper an den Schulen haben wir zusammengetragen und dieses Jahr als Methodensammlung (Hier Ansehen) herausgegeben. Es kann bei COMPA Berlin bestellt werden. Im kommenden Jahr wird die Methodensammlung auf Deutsch erscheinen.