Körperliche De-Kolonisierung entsteht in der Auseinandersetzung mit der Diktatur der Rationalität und dem Leib als schaffendes Wesen. Im Zentrum steht die Loslösung des Körpers und des Geistes von den alltäglichen Routinen und eine Bewegung hin zu Situationen, die das Wohlsein des Körpers stärken. In vorgestellten Phantasiereisen wird die Beziehung von Körper und Geist auf eine neue Ebene gehoben und harmonisiert. Das Gehirn steht als Denkorgan nun nicht mehr im Vordergrund, sondern wird vielmehr zu einem integralen Bestandteil des Körpers.

Die Erinnerungen, die im Leib eingschrieben sind, die Geschichte, werden durch Übungen hervorgeholt. Die Methode der körperlichen De-Kolonisierung ist ein Laboratorium des Organismus, bei dem der Leib zu sprechen lernt. Es ist der Ruf der stillen Poesie, durch die er in winzigen Schritten sprechen lernt, neue Formen des Ausdrucks erkundet und sich von seinem Gefängnis der hegemonialen Routinen der Rationalität befreit. Die Kunst ist subversives Werkzeug gegen die Macht und bringt das große Potenzial, das unser Körper hat hervor, stärkt die Intelligenz, das Einfühlungsvermögen, die Kreativität, die Sensibilität und ist imstande sich in der Sprache des Theaters auszudrücken. Die Methode der körperlichen De-Kolonisierung ist in Bolivien im gesellschaftlichen Kontext einer postkolonialen Gesellschaft entstanden in der wir – als Nachfahren der Quetschua, Aymara und anderer ‚präkolumbianischer‘ Völker – bis in die Gegenwart hinein den Konsequenzen der Gewalt durch Eroberung und Kolonisierung ausgesetzt sind.

Körperliche De-Kolonisierung ist die Suche nach guten Narrativen für unseren Alltag. Wir distanzieren uns von den Wissenschaften und der Versachlichung der Personen als statistische Interpretation, pure Nummern. Wir preisen die konkreten Menschen, die konkreten Geschichten, die nun bereit sind erzählt zu werden. Sie stellen kleine Abdrücke der großen Geschichte aus der Perspektive der Machtlosen und Unterdrückten dar. Geschichten, die versuchen die Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Ungleichgewicht zu erklären und zu interpretieren. Aus diesen kleinen Geschichten, die durch den Körper ausgedrückt werden, und die was anderes sind als die große Weltgeschichte, beginnen wir die Welt neu – mit unserem Körper – zu verstehen.

Im Prozess der körperlichen De-Kolonisierung ändert sich die Statur des Körpers. Die Fähigkeit des Leibes zu sprechen führt dazu, dass es zwischen den Körpern zu einem Dialog kommt. Asymmetrische Beziehungen werden Infrage gestellt und die Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Körpern wird aufgenommen um eine Debatte um Befreiung eröffnen.

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